konzept & ästhetik
Die Landschaft wird also nicht nur vom Weinbau geprägt, sondern prägt ihrerseits, gemeinsam mit den klimatischen Bedingungen mit welchen sie in enger Wechselwirkung steht, sehr nachhaltig den Wein. Wein kann also ein Zeuge seiner Herkunft sein – das Konzept des terroir spricht davon. Und es ist absolut faszinierend wie die Landschaft vom Weinbau strukturiert ist; kleinste Änderungen in der Landschaft und Geologie haben große Wirkung. Davon erzählt mitunter auch die Gliederung in Bereiche, Lagen oder Einzellagen.
Neben der Struktur und Topografie ist natürlich die Schönheit ein wesentlicher Punkt in der Betrachtung der Weinlandschaft. Wir empfinden Landschaften oft als schön, weil sie uns ein friedliches idylisches Bild liefern und wir vom zufälligen aber selbstverständlichen Zusammenspiel verschiedener Elemente, wie Felsen, Hügel, Wälder oder Seen fasziniert sind. Hinzu kommt bei der Weinlandschaft noch ganz stark die Betonung der Landschaft durch die Rebanlagen. Mit verschiedenen Mustern folgen die Rebzeilen den Formen der Natur. Man könnte bei den Weinbauern fast an Landartkünstler denken, so ästhetisch zelebrieren sie das Miteinander von Natur und Kultur.
Und natürlich ist Wein auch ein ästhetisches Produkt. Es dient nicht der Befriedigung unserer täglichen Bedürfnisse sondern dem Genuss. So ist es nicht verwunderlich, dass oft Begriffe, die wir aus der Kunst kennen auch beim Wein ihre Berechtigung haben, wenn man von Harmonie, Balance oder Körper spricht.
Ein wichtiger Aspekt von riuti ist es, die Landschaft von einer allzu gefälligen, aber in der Weinwelt oft zitierten Postkartenidylle wegzubringen. Um die Landschaft nicht als vordergründiges Spektakel sonders als Struktur und Spur lesen zu können, wird sie auf Grautöne reduziert. Diese Reduktion auf eine schwarzweiß Ästhetik, erlaubt es uns die Landschaft von einer emotionalen Empfindung des hier und jetzt, die die Stimmungen des Tageslichts und die Farben der Jahreszeiten fast automatisch mit sich bringen, zu einem Dokument des Zusammenspiels von Natur und Kultur zu fassen. Außerdem trägt die Eliminierung der Farbe dazu bei, die einzelnen Landschaften als eine Einheit zu sehen. Dazu trägt auch bei, dass die Bilder immer von ausgewählten Standpunkten und Ausschnitten gemacht werden. Diese homogene Form der Bilder erlaubt es uns, eine zentrale Strategie von riuti anzuwenden: den Vergleich von Bildern.
Durch die Zusammenfassung der Bilder zu Serien wird auch die Möglichkeit geschaffen mehr über die Funktion der Landschaft für den Weinbau zu zeigen. Die zwingende Gegenüberstellung von mehreren Landschaftsbildern leitet den Betrachter an, Vergleiche zu machen und Unterschiede und Gemeinsamkeiten festzustellen, um so durch die Schönheit der Weinlandschaft mehr über die Großartikeit der Weinlandschaft als Kulturgut zu erfahren. Ein weiterer Grund für die Zusammenstellung einzelner Bilder zu einer Serie liegt im Wein selbst. Denn Weine stehen nicht für sich alleine, sondern in einem Ordnungssystem, das sie nach geografischer Herkunft, biologischen Unterschieden, technischer Zubereitung oder Kompatibilität mit Speisen unterscheidet. Und Weine unterliegen untereinander einem ständigen Vergleich.
Der Kontext der Serien wird nicht nur über die Oberflächenmerkmale der Bilder, sondern auch durch die recherchierten weinbaurelevanten Daten wie Koordinaten, Ort, Rebsorten, Höhe, Jahreszeit und Bodentyp hergestellt. Um diese Daten, sichtbar und dem Bild ebenbürtig zu machen, werden sie direkt auf die Bilder belichtet, um so eine untrennbare Verbindung zwischen Bild und Information zu schaffen.
Oft werden Landschaften von uns als etwas Monumentales, ja sogar Bedrohendes wahrgenommen. Weingärten widersprechen aber dieser Monumentalität, egal ob sie jetzt in den schweizer Hochalpen oder dem atlantischen Ozean ausgesetzt liegen. Vielmehr strahlen sie Harmonie und eine seltsame Geborgenheit aus. Hier wächst schließlich eine besondere Kulturpflanze, die trotz aller Zähigkeit Schutz braucht und für den Winzer zugänglich sein muss. Weingärten bilden eine eigene kleine Welt, egal wie gigantisch die übrige Natur ist, die sie umgibt.
Dieser Tatsache sollen auch die Bilder entsprechen, und durch ihr kleines Format, in der Größe eines Bilderbuches, eher auf eine Welt für sich verweisen als auf eine spektakuläre landschaftliche Konstellation. Die einzelnen Bilder werden in Holz gerahmt, um ihnen nochmals Schutz zu geben und das „Für-Sich-Sein“ der Landschaften zu unterstreichen. So stehen sie als ein kleines Universum für sich und laden uns ein vorbeizukommen und in ihre Domäne einzutreten.
Auf unserer Suche nach einer nachhaltigen und grundlegenden Darstellung der Landschaft als Grundlage des Weines, haben wir viele Versuche und Überlegungen angestellt, um schließlich zu einer Form zu finden, die unsere Faszination und Liebe für den Wein auszudrücken vermag. Dabei haben wir uns auch besonders von der manischen fotografischen Sammlersucht eines Eugéne Atget und dem fotografischen Ordnugswillen eines August Sander inspirieren lassen.
Wir hoffen damit dem Wein ein Bild geben zu können, das genauso komplex, schön und berührend sein kann, wie der Genuß des Weines selbst.